Yin Yoga & Burnout

Nach einem prägenden Lebenseinschnitt wurde für Tanja Seehofer Yoga zu einer neuen Lebensphilosophie. Heute gehört sie zu den bekanntesten Yin und Nidra Lehrerinnen in Deutschland und unterrichtet diese leisen Yogastile mit großer Hingabe. Sie möchte ihre Schülerinnen und Schüler in die Ruhe und zu sich selbst führen. Wie heilsam und schön es ist, sich selbst zu begegnen, lernten Tanja auf eine unsanfte Weise kennen. Nach einem Burnout und einer schweren Depression erfuhr sie auf ihrem Weg wie sehr Yoga zur Gesundung beitragen kann.


Burnout ist keine Gentleman-Diagnose: Tanja Seehofer über die Kraft von Yin Yoga und ihren Weg aus dem Burnout.



Welche Bedeutung hat Yin Yoga in deinem Leben?


Yin Yoga hat mein komplettes Leben verändert. Nach 20 Jahren ließ ich meinen sicheren Job als Casterin bei Bavaria Film hinter mir, um mich ganz dem Lehren von Yin Yoga zu widmen. Für mich ist Yin Yoga nach wie vor eine Art Abenteuer und Bewusstseinsreise. Wir haben die Möglichkeit uns ganz neu zu erfahren, zu spüren und zu fühlen. Hierdurch erweitert sich unsere körperliche Wahrnehmung und somit auch unser Geist. Yin Yoga ist für mich ein Weg zu Freiheit und Verbundenheit.


Wie hat Yin Yoga deinen Weg aus dem Burnout begleitet?


Ich war zwei Monate in einer ganzheitlichen Spezialklinik. Hier wurde Achtsamkeit, Körpertherapie, Meditation und auch Yoga gelehrt. Zu dieser Zeit war Yin Yoga noch nicht so bekannt, jedoch gab es bereits eine Art Achtsamkeitsyoga bzw. Restoratives Yoga. Dabei wurden die Asanas mit positiven Glaubenssätzen verbunden. Es ging darum, den Körper wieder zu spüren und den Atem bewusst wahrzunehmen. Dies war komplett neu für mich. Im Anschluss nach dem Klinikaufenthalt absolviert ich sofort meine Yogalehrerausbildung und begann Restorative Yoga zu unterrichten. Wenig später kam Yin Yoga in mein Leben. Dieser Yogastil und die Vipassana

Meditation haben meine Gesundung sehr beeinflusst.


Wie unterscheidet man ob man einfach nur müde ist und eine Pause braucht oder von einem Burnout betroffen ist?


Burnout ist keine Gentleman-Diagnose, sondern ein gesundheitsschädlicher Prozess der schleichend kommt. Hierbei werden verschiedene Phasen durchlaufen: Meist beginnt der Prozess mit Müdigkeit, Erschöpfung (emotional und körperlich) und Schlafstörungen. Dies ist noch kein Burnout, doch können es erste Anzeichen sein. Weitere Symptome können dann Langeweile, Reizbarkeit, Ungeduld, Ängste, Schuldgefühle, psychosomatische Beschwerden wie Panikattacken, keine Gefühle

mehr bis hin zur Depression sein.



Burnout hat nicht (nur) mit Stress zu tun. Wo liegt deiner Ansicht nach die Wurzel verborgen?


Perfektionismus, selbst gemachter Druck, zu wenig Selbstwertgefühl, im Außen gefallen wollen, Fremdbestimmung, funktionieren müssen, Unzufriedenheit (und nichts dagegen tun), Minderwertigkeitsgefühle usw. können Ursachen darstellen, die kompensiert werden. Burnout hat meiner Meinung und Erfahrung nach nicht unbedingt etwas mit „zu viel Arbeit“ zu tun. Es kann auch aus anderen Lebensbereichen heraus entstehen. Es gibt sogar schon Kinder mit Anzeichen von Burnout.



Kann Burnout als Chance für eine Neuausrichtung im Leben gesehen werden?


Ein klares Ja. Ich habe mich mit elementaren Fragen des Lebens auseinandergesetzt. „Was macht mich wirklich glücklich? Was bringt mir Freude? Was ist wirklich wichtig für mich? Um was geht es eigentlich? Was kann ich in meinem Alltag ändern? Was kann ich genau jetzt tun, um die Qualität meines Lebens zu erhöhen?“ Dabei habe ich mit einer professionellen Begleitung sehr gute Erfahrungen gemacht. Für mich war es der Start in ein neues und selbstbestimmtes Leben voller Freude, Selbstliebe, Wertschätzung, Selbstwert und ein Weg meine Berufung zu finden und diese mit ganzem Herzen zu leben.



Was gibt die Yin Yoga Praxis für das Leben außerhalb der Yogamatte mit?


In den Asanas richten wir unser Bewusstsein auf die Empfindungen im Körper und trainieren dabei die Rolle des Beobachters. Wir sind Zuschauer mit dem Wissen: Es entsteht, es vergeht. Mit der Aufmerksamkeit sind wir im Hier und Jetzt. Wir trainieren Achtsamkeit und Geduld. In der Yin-Haltung wird alles, was ist, zum Gegenstand einer Meditation. Wir ertasten unsere Grenzen und achten von Moment zu Moment auf uns. Diese Sichtweise hilft uns auch im Alltag mit unangenehmen Gefühlen und Empfindungen anders umzugehen als bisher und letztendlich Selbsterkenntnis zu erlangen. Unsere Reaktionen im Alltag sind klarer. Wir agieren mit Weisheit und reagieren nicht mehr aus alten Verhaltensmustern heraus.



Welche Lektüre möchtest du in diesem Zusammenhang empfehlen?


Mich haben „Vom Burnout zum Flow“ von Anselm Grün von Dr. Miriam Prieß „Burnout kommt nicht nur von Stress“ eng begleitet. Und natürlich möchte ich auch mein Buch „Yoga gegen Burnout“ nicht unerwähnt lassen.



Mehr zu Tanja Seehofer www.tanjaseehofer.de

Fotos von Tanja Seehofer




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Julia Raderecht

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